Themen
»Plastische Demokratie« konzentrierte sich auf sechs zentralen Themen unserer Zeit. Es sind Themen, die Joseph Beuys bereits im Rahmen der Sozialen Plastik in den Blick genommen hat: Politisches System, Klima, Kapital, Digitalisierung, Bildung und Zusammenleben. Die Veranstaltungen, die dem Labor zugrunde liegen, kreisten all um diese Felder und die Herausforderungen, die damit einhergehen. Die Impulse, die von Beuys ausgehen, wurden aufgegriffen, geprĂŒft, erweitert und aktualisiert.
Politisches System
Welche Demokratie, welche politischen Strategien brĂ€uchten wir, um effektiv gegen Armut und Autoritarismus, Umweltzerstörung und Klimawandel vorzugehen? Weltweit verbreitet sich die Überzeugung, dass die besten Chancen in einer radikalen Teilhabe an politischen Diskussionen, Handlungen und Entscheidungen liegen. So wird aktiv nach alternativen Formen der Vergemeinschaftung und der Verhandlung gesucht. Solche Formen erprobte Joseph Beuys in kollektiven kĂŒnstlerischen Arbeits-, Deliberations- und Reflexionsprozessen, die er »Soziale Plastik« nannte. Die AktualitĂ€t, Brauchbarkeit oder gar GefĂ€hrlichkeit seiner Vorstellungen wurden hier erkundet.
Klima
Die aus der Nachhaltigkeitskrise resultierende Klimaverschiebung bestimmt das gegenwĂ€rtige Handeln. Sollten die Klimaziele von Paris nicht eingehalten werden, sind nicht nur LebensrĂ€ume gefĂ€hrdet, sondern extreme VerĂ€nderungen der Lebensbedingungen zu erwarten, die auf alle Bereiche des Lebens einwirken. Die Frage ist, wie unter dem Druck sofortigen Handelns Demokratien funktionieren können. Wie sie das Zeitproblem lösen und sich gegenĂŒber Verweigerungshaltungen von nichtdemokratischen Staaten verhalten. Der KĂŒnstler Joseph Beuys ist seit 1970 öffentlich gegen die Umweltzerstörung eingetreten und hat sich als Aktivist der GrĂŒnen dafĂŒr eingesetzt, dass die ökologische Frage im Parlament gestellt wird. Mit seiner plastischen Demokratie hat Beuys ein Instrument vorgeschlagen, das ideologisch gesetzten Erstarrungen und Grenzen entgegenwirkt.
Kapital
Seit dem 19. Jahrhundert ist der Kapitalismus auf dem Siegeszug und heute als Wirtschaftsform globalisiert. Seine innovativen KrĂ€fte schufen im 20. Jahrhundert eine Produktionsdichte, die insbesondere die westlichen Industriegesellschaften in einen bis dahin nicht gekannten Wohlstand versetzten. Der Preis ist das Fortbestehen der Ungleichheit, Neokolonialisierung, Raubbau an der Natur und Zerstörung der Umwelt, die in eine existenzielle Krise des Planeten Erde fĂŒhrte. Beuys hat vorgeschlagen, das Kapital, das Geld aus seinem ökonomischen Zusammenhang herauszulösen und allein die geistigen FĂ€higkeiten des Menschen als Kapital zu verstehen und Geld als Rechtsdokument fĂŒr geleistete Arbeit einzufĂŒhren, um die Profitsteigerung und die AnhĂ€ufung von maßlosem individuellen Reichtum zu beenden.
Digitalisierung
Dass Digitalisierung die Demokratie verĂ€ndert, gehört inzwischen zu unserem Alltagswissen. Ebenfalls bekannt ist die Ambivalenz, mit der diese VerĂ€nderung wahrgenommen wird. Die Vernetzung, die solidarische Handlungen auf globaler Ebene ermöglicht, befördert gleichermaßen MassenĂŒberwachung und politisch-ökonomische Manipulation, Fragmentierung und Polarisierung. Was Joseph Beuys im Umgang mit den seinerzeit neuen Möglichkeiten des Satellitenfernsehens einforderte war eine aktive Gestaltung von Technik wie Inhalt. In heutigen Diskussionen ist ein starkes Echo dieses Bestrebens zu verzeichnen. Wie könnte eine solche Gestaltung aussehen?
Bildung
Wir begreifen Bildung und gemeinsames Lernen als ein System, das einer grundlegenden Neuerfindung bedarf. Statt bewĂ€hrte Methoden brauchen wir ein Imaginationstraining und Strategien, wie wir uns in unbekannten Territorien des Wissens bewegen. Ergebnisoffene und zielgerichtete Lernprozesse zu lenken, mĂŒssen wir erst erlernen. Wir suchen Wissen im Lokalen und im AlltĂ€glichen, wir suchen neue VerknĂŒpfungen zwischen Wissensfeldern.
Zusammenleben
Der Raum, die Wohnung, das Haus, die Straße, das Viertel, die Stadt sind maßstĂ€blich zunehmende, rĂ€umliche Begriffe fĂŒr SphĂ€ren des Zusammenlebens. Wir suchen nach neuen Protokollen um diese SphĂ€ren anders aufzuladen, neu zu sehen und neue, verbundene Handlungsweisen zu erfinden. Arbeiten, Wohnen, Freizeit und Urlaub sind die entsprechenden Handlungskategorien, die schon lĂ€ngst in Auflösung begriffen sind. Wir suchen nach Zusammenhalt und Gemeinsamkeit in Differenz. Zusammenleben heißt Zusammensein, -arbeiten, -denken, -essen und sogar -wohnen vor Ort. Wir priorisieren dabei keine der AktivitĂ€ten, sondern machen uns auf die Suche nach interessanten Formen der Hybridisierung.
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